Suedkurier.de - 11.04.2007

Große Physikerin auf der Bühne

Leben der Marie Curie als Stück im Ali-Theater

 

Waldshut-Tiengen

VON ANDREAS WEISS

Seit Januar wird der Musiksaal des Waldshuter Hochrhein-Gymnasiums einmal in der Woche zur Probebühne für eine ebenso bewegende wie spannende Lebensgeschichte. Dann nämlich studieren 14 theaterbegeisterte Waldshuterinnen und Waldshuter das musikalische Schauspiel "Marie Curie - Stationen eines ungewöhnlichen Lebens" ein, das erste Bühnenwerk von Adelheid Kummle, die dabei auch Regie führt. Für die Hauptrolle der großen Physikerin und zweimaligen Nobelpreisträgerin, die von 1867 bis 1934 lebte, hat sie die Karlsruher Sopranistin Anne von Rudloff gewonnen. Die musikalische Begleitung hat Christian Seidel, Klavier übernommen. Präsentiert wird die Uraufführung am 20. April im Ali-Theater Tiengen.

 

Fünf Jahre habe sie die Idee, das Leben der aus Warschau stammenden Entdeckerin der Radioaktivität für die Bühne umzusetzen, im Kopf mit sich getragen. Auf das faszinierende Schicksal der Marie Curie, geborene Marya Sklodowska, wurde sie damals durch ein Kinderbuch ihrer Tochter aufmerksam, erzählt Adelheid Kummle begeistert. Gefesselt habe sie an dieser Frauenbiografie vor allem, wie modern und emanzipiert Curie bereits war und wie sie ihre Zielstrebigkeit in den im 19. Jahrhundert verhafteten Gesellschaftsstrukturen verwirklichen konnte. Während des vergangenen Sommers habe sie das Drehbuch und die Lieder geschrieben und dabei das erste Mal in größerem Umfang komponiert. Sogar die Besetzung sei ihr bei diesem Arbeitsprozess klar gewesen. "Toll, dass alle Leute, die ich wollte, auch mitmachen", freut sich die 50-jährige Juristin.

 

So entstand ein Ensemble, das mit großer eigener Kreativität Kummles Bühnenstück gemeinsam mit Autorin und Regisseurin sowie der ausgebildeten Theaterpädagogin Anja Grimbichler als Regieassistentin weiterentwickelt und umsetzt. "Was mir so gefällt, ist, dass das Stück Lebensgeschichte ist", beschreibt Willy Riegger, im Stück Curies Vater, den Grund für seine Begeisterung für "Marie Curie". Und diese Lebensgeschichte ist wahrlich voller bühnenwirksamer Momente. Als Gouvernante unterrichtet Marya die Kinder vermögender Gutsbesitzer (Eberhard Rieck und Jutta Hermann), deren Sohn (Alexander Rochow) sich bald hoffnungslos in die junge Frau verliebt. Unter spartanischen Bedingungen beginnt Marie in Paris Physik und Mathematik zu studieren. Dort lernt sie auch ihren Mann Pierre (Ulrich Gröber) kennen und heiratet ihn 1895. Doch schon zehn Jahre später stirbt dieser bei einem Verkehrsunfall. Wenige Jahre später löst eine Liebschaft der jungen Professorin mit dem befreundeten Physiker Paul Langevin (Fritz Ebi) einen unerhörten Skandal aus. Dennoch hält Marie Curie unbeirrbar an ihren beruflichen Zielen fest.

 

In Rückblicken erzählt die Enkelin Curies, die Physikerin Hélène Langevin (Rosi Matt), die Lebensstationen ihrer berühmten Großmutter - ein besonderer dramaturgischer Kniff Kummles. Die Stationen bestehen aus großen Chorszenen, aber auch aus zarten Couplets und Chansons, in denen auch die Waldshuter Darsteller ihr Talent und ihre Begeisterung für die Musikbühne zum Ausdruck bringen können. Damit wird ein ungewöhnliches Leben bühnenwirksam in Szene gesetzt - ein Theaterleckerbissen und eine echte Novität im Waldshut-Tiengener Kulturleben.

 

Moderne Verhältnisse: der Vater von Pierre Curie, Eugène (links; Alois Duffner), bietet sich als Erzieher der Tochter Irène von Pierre und Marie Curie (Ulrich Gröber und Anne von Rudloff) an, damit diese ihren Forschungen nachgehen können. 1903 erhalten sie den Nobelpreis für Physik.
Bild: Weiss

 

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